Clubabend am 22.01.2020 "Frauen in der Wissenschaft"

von Manja Seelen

Frauen in der Wissenschaft – Auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit?

Am 22. Januar 2020 trafen sich die Kölner Clubmitglieder zum ersten Clubabend im Jahr 2020. Das Thema des Abends lautete „Frauen in der Wissenschaft – Auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit?“. Nach der Begrüßung der Teilnehmerinnen durch Frau Rotraut Röver-Barth, Diözesanvorsitzende des KDFB Köln, führte Ulla Hendrix in die Thematik des Abends ein. Ulla Hendrix ist Sozialwissenschaftlerin und arbeitet an der Koordinations- und Forschungsstelle des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung NRW an der Universität Duisburg-Essen.

Die Diskriminierung von Frauen im Wissenschaftsbetrieb hat eine lange Tradition. So durften Frauen bis zum Jahr 1918 nicht habilitieren und hatten so keinen Zugang zu hochkarätigen Positionen an den Universitäten. Aber auch die feministische Wissenschaftskritik hat eine lange Tradition. Die heutige Situation von Frauen an den Hochschulen ist zwar bisher alles andere als befriedigend, aber sie ist trotzdem im Vergleich zur Vergangenheit schon verbessert und Ergebnis der langjährigen Kritik.

 

Die Wissenschaftskritik auf der berufspolitischen Ebene fragt nach, wo die Frauen in den hohen und gut dotierten Positionen sind. Auffällig ist, dass bei den Studierenden noch (über) 50% weiblich sind. Aber je weiter die wissenschaftliche Karriere fortschreitet, umso geringer wird der Frauenanteil. Bei den Professuren liegt er bei ca. 25%. Es gibt zwar unterschiedliche Werte je nach Studienfach, aber auch in der Medizin, wo ein hoher Anteil an Studentinnen eingeschrieben ist (ca. 66%), sind nur 20% der Professuren durch Frauen besetzt.

Ein weiterer Kritikpunkt am wissenschaftlichen Arbeiten betrifft die Tatsache, dass wissenschaftliche Erkenntnisse überwiegend an, von und mit Männern gewonnen werden. So werden zum Beispiel die Ergebnisse medizinischer Studien häufig durch Beobachtungen an Männern gewonnen, anschließend generalisiert und auf Frauen übertragen, ohne Rücksicht auf biologische Unterschiede (Hormonstatus etc.) zu nehmen. Die männlichen Probanden werden als die „Norm“ angenommen, die Frauen als die „Ausnahmen“.

Die Erkenntnistheoretische Wissenschaftskritik stellt fest, dass Wissenschaft nicht so objektiv und universell  ist, wie sie es für sich in Anspruch nimmt, sondern in ihren Forschungsergebnissen und Erkenntnissen ein Spiegel der gesellschaftlichen Macht-und Herrschaftsverhältnissen ist.

In der anschließenden Diskussion wurde unter anderem darüber gesprochen, inwiefern Parallelen zwischen dem Wissenschaftsbetrieb und der Institution der Katholischen Kirche bestehen, insbesondere in den Zugangsmöglichkeiten von Frauen in die männlich geprägten Strukturen. Neben den angeregten Debatten kamen natürlich auch der persönliche Austausch und das leibliche Wohl nicht zu kurz. Nach einem kurzweiligen und schönen Abend bedankte sich Mariola Szumilas noch einmal herzlich bei Ulla Hendrix für den spannenden Input und beendete den Abend mit einem Segensgebet.

Bericht und Fotos von Kerstin Bause, 10.02.2020

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