Aschermittwoch 2022 in Köln und die Rückkehr des Kardinals

von Manja Seelen

Am 2.3.2022 traf sich ein großes Aktionsbündnis aus katholischen Verbänden vor dem Dom in Köln, um sich zur Rückkehr des Kardinals zu äußern.

Hier das Statement der Diözesanvorsitzenden des KDFB DV Köln, Rotraut Röver-Barth im Wortlaut:

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

vor 3 Monaten standen wir zuletzt hier vor dem Dom. Wir haben gegen einen Bußgottesdienst protestiert, zu dem die Überlebenden sexualisierter/geistlicher Gewalt, aber nicht Täter und Vertuscher eingeladen waren.

Der Apostolische Administrator gesellte sich eine Weile zu uns. Er hörte zu, wie Herr Haucke, selbst Betroffener sexualisierter Gewalt, einen Bußkatalog für die Kirchenleitung vortrug.

Und heute?

Heute geht es wieder um einen Bußgottesdienst, dem sich Kardinal Woelki entzieht.

Statt sich dem Gespräch mit den Gläubigen zu stellen und zu sagen, was er nach seiner Auszeit anders machen will, kündigt er einen Hirtenbrief zur Fastenzeit an.

Das hört sich nach einem „Weiter so“ an.

Wir erwarten aber Taten und Umgangsformen, die unsere Taufwürde, Berufung und Kompetenz respektieren.

Nach dem unsäglichen Umgang mit den Betroffenen sexualisierter Gewalt und Vertuschung ist dies notwendig. Dabei wurde immer auch Macht missbraucht.

Im „Synodalen Weg“ wird intensiv nach einem neuen Umgang mit Leitungs- und Gestaltungsmacht gesucht. Die Ergebnisse müssen im Erzbistum umgesetzt werden, transparent und kontrolliert.

Macht in der Kirche kann nur segensreich sein, wenn sie geteilt, begrenzt und kontrolliert wird. Das schließt eine absolutistische Machtausübung aus.

Und geteilte Macht schließt Laien mit ein, die immer - und das ist mir als Vertreterin des Katholischen Deutschen Frauenbundes besonders wichtig - Männer und Frauen umfasst.

Eine paritätische Beteiligung von Männern und Frauen in der Leitung des Erzbistums, in den Gemeinden und in der Seelsorge entspräche den Zeichen der Zeit.

Was die Beteiligung von Frauen angeht, so gibt es da besonderen Nachholbedarf.

Es ist schön, dass wir in Köln endlich Domschweizerinnen haben.

Aber solange im Domkapitel nur vom Erzbischof ernannte Männer Mitglied sind, können wichtige Aufgaben in der Diözese nicht segensreich sein.

Wir wollen, dass 12 Frauen zusätzlich zu den bisherigen Domkapitularen von den Verbänden und Gemeinden in das Domkapitel gewählt werden.

Wir wollen, dass Frauen gleichberechtigt mitentscheiden über Finanz- und Rechtsgeschäfte, in Fragen von Kunst und Veranstaltungen im Dom und auch bei der Bischofswahl.

Das rein Männer-Bündische wäre damit aufgebrochen.

Ich bin sicher, dass Frauen das Miteinander verändern, eine andere Gesprächs- und Beratungskultur haben und anders an Themen herangehen.

Wir leben heute Gott sei Dank in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft, zu der Grund- und Menschenrechte gehören, Transparenz, Rechtsschutz und Rechenschaftspflicht.

Das muss sich auch im kirchlichen Arbeitsrecht zeigen. Kirchliche Mitarbeiter*innen, die gleichgeschlechtlich lieben, oder wieder verheiratet Geschiedene dürfen nicht diskriminiert werden.

Eine Atmosphäre der Angst in kirchlichen Einrichtungen entspricht nicht der Frohen Botschaft des Evangeliums. Wenn wir darum kämpfen, dass die Kirche wieder glaubwürdig wird, dann geht es uns genau darum, dass die Frohe Botschaft des Evangeliums verwirklicht wird.

Dafür muss Kardinal Woelki sich dem Gespräch stellen und die Beschlüsse des Synodalen Weges umsetzen.

Ein „Weiter so“ darf es nicht geben!

Wenn er es dennoch vorhat, dann gelten die Worte auf einem Banner, das gestern über dem Eingang der Agneskirche aufgehängt wurde.

„Schmerzlich unwillkommen!“

 

Rotraut Röver-Barth, Diözesanvorsitzende des KDFB Köln

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